Unbekannter,
Nie genannter
Freund
Na, fragst du dich, was das hier soll? Und doch liest du es voller Begier.
Es ist ein Brief an dich. An dich und alle anderen.
Du glaubst, es ist seltsam auf diese Weise Briefe zu schrieben?!
Dabei schreibst du selbst niemals Briefe, weder an mich noch jemanden, der
dir etwas bedeutet. Die Anderen halten es für seltsam, lass sie doch reden.
Denk nicht so viel nach, interpretiere nicht, vertraue dir selbst,
und gib nicht nach, wenn sie dich bedrängen. Zu behaupten, ich sei stark,
ist nicht schwer, wenn du mich nicht kennst. Sei du selbst,
das wolltest du doch immer von mir. Beherzige
das, was die Welt dir mitzuteilen versuchst.
Doch lass dir nichts erzählen und höre hin und wieder
selbst, was du sagst. Ich folgte wahrscheinlich schon zu oft
meinem inneren Rotzbengel, der verrückt spielt und tut,
was er will. Er hält nicht viel von Vorschriften und Regeln und gar von
deinen Wünschen. Leider eine meiner Angewohnheiten, wenn ich
gerade nur mir selbst zuhöre, wenn die Welt mir egal ist, mit all ihren
Problemen und Fragen an mich. Selbst dann, wenn ich
jemanden mag – wie ich so oft schon zu dir sagte. Warum
das so ist, fragst du mich? Antworten geben kann ich nicht.
So wie ich einfach aus purer Lust und Langeweile
schreib ich also hier an dich?. Sicherlich liegt es daran, dass
mich schon immer ein großes Kommunikationsbedürfnis quälte,
die Worte aus mir sprudelten und
ich dich wissen lassen sollte – oder es wollte,
wie mir mein Innerstes so erscheint. Sowieso ist ein jeder Fremder
doch der beste Freund, wenn es ums Zuhören geht
oder was auch immer – dass du
verstehst, was genau ich damit meine, dabei bin ich mir
sicher. Schließlich bin auch ich ein Fremder für dich, obwohl’s
mir nicht ganz egal
ist, nur ein winziger Teil im großen Ganzen zu sein.
Nur eines ist sicher, dass du nicht ganz alleine
bist. Was genau es ist, vermag ich
heute nicht zu finden. Suchten auch schon andere ach so lang danach….
Wozu auch, ist es doch ganz richtig, es
nicht zu sagen; nur dass es mehr ist, als von mir benötigt, als du es
vielleicht glaubst. Liegt der Sinn der menschlichen Existenz
irgendwo begraben, wenn du und ich ihn
offensichtlich brauchsten; wenn du mir die kalte Schulter zeigst,
ist es dunkel, voller Wolken; suchten wir das Licht
und finden es doch immer noch nicht. Egal ist’s, wenn
du mir nur spärlichst Informationen zukommen lässt oder gar
nicht mit mir redest, bist ja eh ein Fremder, fühl mich dir
dann noch so viel fremder, auch ohne dass du mir
im Allgemeinen wenig traust. Ich kann nicht fassen, es nicht
erklären, dass ich so denke.
Wir sehen uns im Licht, im Schatten ist es schwer, uns zu
erreichen oder greifen; warum es mich mehr mitnimmt als es
dich vielleicht so gar nicht interessiert,
weiß nur die Nacht, zumindest ist es das, was sie
sollte. Es ist einfach ein leeres, dumpfes Gefühl in mir, dass nicht
ein bisschen von dem, was ich sage, bei dir oder mir ankommt.
Alles ist vorbei, ohne dass das Ende
zu definieren ist. Wenn du dich fragst, weshalb es so verworren,
so verschroben für dich klingt, sind’s meine Gedanken, die du liest;
was als kleine Regung begann, nun nur als Laut
indirekt zu dir gelangt; erinnere dich, dass du nie hören wolltest,
auf die anderen, dass das Wort nie zählte oder nur Geplapper war,
in deinen Ohren. Und trotzdem war es auch egal,
wenn ich sprach; und sowieso jede Äußerung meinerseits
ward gelesen und vergessen, galt nicht viel, aber doch
mehr als das Wort der anderen; nur mein Schweigen
wurde als grobe Kritik deines Lebens aufgefasst wurde.
Wird doch hoffentlich wenigstens dies
nicht ungehört von dir verbleiben.
In Liebe
Nur ein Fremder,
der keine Antwort erwartet.
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